28.10.2026 - Stadthalle
Stadthalle: Jetzt muss sie gut werden
Wie geht es auf der Baustelle Stadthalle voran? Welche Veranstaltungen könnten ab 2029 stattfinden? Und was bedeutet das Projekt für Görlitz? Über diese Fragen diskutierten rund 20 Interessierte bei einem gemeinsamen Informationsabend der Stadtbewegung Motor Görlitz und der Stadtratsfraktion Motor Görlitz/Bündnisgrüne/SPD im Go Be.
Die Görlitzer Stadthalle soll 2029 wieder ihre Türen öffnen. Bis dahin ist noch einiges zu tun. Wie weit die Sanierung fortgeschritten ist und was hinter den Kulissen bereits für die Wiedereröffnung vorbereitet wird, erläuterten Maria Schulz, Manja Zips und Enrico Kasper vom Team der Görlitzer Kulturservicegesellschaft, die künftig den Betrieb übernehmen soll. Eva Wittig von der Europastadt GörlitzZgorzelec GmbH (EGZ) ergänzte die Perspektive der Wirtschaftsförderung.
Eine Halle für viele Möglichkeiten
Die Bilder von der Baustelle zeigten, wie umfassend das historische Gebäude derzeit saniert wird. Vom Großen und Kleinen Saal über die Gartensäle bis zu den neuen Neißesälen entstehen Räume für ganz unterschiedliche Veranstaltungen. Aktuell wird der Anbau winterfest gemacht. Scheiben kommen rein. Innen wird geheizt, so dass auch in den kalten Monaten durchgehend gearbeitet werden kann.
Der große Saal soll künftig bis zu 1.500 Stehplätze im Parkett bieten. Dazu kommen die beiden Ränge. Der Kleine Saal ist für Veranstaltungen mit bis zu 250 Sitzplätzen vorgesehen. Ergänzt wird das Angebot durch flexibel nutzbare Tagungs- und Veranstaltungsräume.
Das Ziel ist eine Stadthalle, die Konzerte und Kulturveranstaltungen ebenso beherbergen kann wie Kongresse, Tagungen, Messen und gesellschaftliche Ereignisse. Besondere Hoffnung setzen die künftigen Betreiber dabei in die gewachsene Forschungslandschaft. Mit Akteuren wie dem DZA und CASUS sehen sie gute Möglichkeiten, um internationale Veranstaltungen nach Görlitz zu holen.
Die Vermarktung hat begonnen
Auch wenn die Bauarbeiten noch laufen, arbeitet die Kulturservicegesellschaft bereits an der künftigen Nutzung. Die Stadthalle wird auf Fachmessen und Branchentreffen vorgestellt, Kontakte zu Veranstaltern werden aufgebaut und erste konkrete Buchungen vorbereitet beziehungsweise vereinbart.
Dass das Interesse nicht nur bei professionellen Veranstaltern groß ist, zeigen die Baustellenführungen. Seit April 2026 fanden bereits 60 Führungen mit rund 1.400 Teilnehmenden statt.
Für die Wirtschaftsförderung bietet die Stadthalle die Chance, Görlitz stärker als Kongress- und Tagungsstandort zu positionieren. Dabei geht es nicht nur um Veranstaltungen im Gebäude selbst. Auch Hotels, Gastronomie, Handel und touristische Angebote könnten von zusätzlichen Gästen profitieren.
Doch dafür muss sich auch das Umfeld weiterentwickeln. Ein attraktiver Kongressstandort braucht ausreichende Hotelkapazitäten, aber auch einen guten Service für internationale Gäste. Das beginnt bei freundlichen und mehrsprachigen Taxifahrern und reicht bis zu den Beschäftigten in Gastronomie, Handel und Hotellerie.
Eva Wittig berichtete, dass die EGZ bereits gute Gespräche über die Weiterentwicklung der Hotelkapazitäten führt. Konkretere Einzelheiten konnte sie zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht nennen.
Wie kommen die Besucher zur Stadthalle?
Nach den Vorträgen entwickelte sich eine lebhafte Diskussion. Besonders interessierten sich die Teilnehmenden für die künftige Erreichbarkeit der Stadthalle und die Parkplatzsituation.
Die Furtstraße soll ausgebaut werden, um die Zufahrt für LKW zu ermöglichen. Allerdings ist die Finanzierung dafür noch nicht abschließend geklärt. Auch ein Parkhaus an der Brückenstraße ist im Gespräch. Dafür soll ein Investor gefunden werden.
Deutlich wurde: Nicht alle Vorhaben im Umfeld werden zwangsläufig bereits zur geplanten Wiedereröffnung 2029 vollständig umgesetzt sein.
Ebenfalls von Interesse war die Frage, wie die Stadthalle in Zgorzelec aufgenommen wird. Positiv, hieß es von Seiten der EGZ. Sie spielt in Planungen der polnischen Schwesterstadt bereits jetzt eine Rolle.
Kritisch bleiben, Mehrheiten respektieren
Für Motor Görlitz war der Abend auch eine Gelegenheit, die eigene Haltung zur Stadthalle deutlich zu machen.
Wir haben die Sanierung über viele Jahre kritisch begleitet. Insbesondere die finanziellen Risiken und die späteren laufenden Zuschüsse waren für uns wichtige Argumente. Eine große Mehrheit des Stadtrates hat sich dennoch für die Sanierung entschieden. Diese demokratische Entscheidung respektieren wir.
Damit hat sich auch die Aufgabe verändert: Jetzt geht es darum, dass die Stadthalle pünktlich und im geplanten Kostenrahmen fertiggestellt wird. Und vor allem darum, dass sie anschließend erfolgreich betrieben werden kann.
Das machte auch Axel Krüger deutlich, der über längere Zeit im Stadthallenausschuss mitgearbeitet hat. Er freut sich inzwischen auf eine Stadthalle, die tatsächlich eine „Halle für alle“ wird.
Eine wichtige Frage bleibt die langfristige Finanzierung. Denn mit der Sanierung allein ist es nicht getan. Der Betrieb wird auch künftig erhebliche städtische Zuschüsse benötigen. Motor-Sprecher und Stadtrat Mike Altmann machte deutlich, dass durch den Stadthallenbetrieb, der erhebliche Zuschüsse benötigen wird, andere Angebote in der Stadt nicht gefährdet werden.
Spätestens im Mai soll es eine weitere Begegnung mit der Stadthalle geben. Dann vor Ort bei einer Baustellenführung. Wir bedanken uns herzlich beim Kulturservice und der EGZ für die spannenden Einblicke in die Baustelle Stadthalle.
